Sonderausstellung Im Motorrad- und Technikmuseum

Alles bis zu 50 Kubikzentimeter 

Außergewöhnliche Renaissance 

Man bekommt diese kleinen Oldtimer noch relativ oft, weil sie doch in großen Stückzahlen gebaut wurden, aber sehr oft in bedauernswertem Zustand. Da sie aber leicht und für relativ wenig Geld wieder fahrbereit gemacht werden können, sind sie extrem beliebt. Deshalb erleben sie eine außergewöhnliche Renaissance.

In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bestand ein großer Bedarf an Fahrzeugen.  In größerem Umfang wurden zuerst Fahrräder produziert. Da ein Motorrad oder gar PKW zu dieser Zeit unerschwinglich war, dienten zur Massenmotorisierung zunächst Motorfahrräder mit maximal 50 cm³ Hubraum. Ein Fortschritt war der Einbau kleiner Motoren in fahrradähnliche Fahrzeuge.  Für die Bezeichnung derer wurden zunächst mehrere Begriffe vorgeschlagen, unter anderem Eilrad, Flitzer, Eiler, sowohl wie Brummrad und Brummer nach holländischem Vorbild als auch Knallrad und Knaller nach dänischem Einfluss. Solche später letztendlich als Moped bezeichneten Zweiräder wurden in Deutschland erstmals ab 1951 von den Rex-Motorenwerken gebaut. Etwa zur gleichen Zeit brachte Kreidler mit der K 50 ebenfalls ein derartiges Fahrzeug heraus. Eine sprunghafte Verbreitung solcher Zweiräder trat 1953 ein. ILO brachte Anfang 1953 den Einbaumotor FP 50 heraus, der in großem Umfang geliefert, von Fahrradherstellern eingekauft und zur kurzfristigen Entwicklung eigener Mopeds genutzt werden konnte. Auf ILO geht auch der Begriff Moped zurück, der bereits in Schweden gebräuchlich war und in einem vom ILO-Werk veranlassten Preisausschreiben auf der IFMA 1953 gefunden wurde. Der Begriff sollte eine verkaufsfördernde Abgrenzung von normalen Fahrrädern mit Anbaumotor ermöglichen, was auch gelang. Andere Kleinmotorenhersteller wie Victoria, Sachs, Lutz, Heinkel und NSU griffen den neuen Moped-Trend schnell auf. So verbreiteten sich Mopeds im Rahmen der führerscheinfreien Klasse binnen kürzester Zeit. Bereits Anfang 1954 produzierten in Westdeutschland 26 Unternehmen 44 Moped-Typen. Mit der Zeit stieg auch die Leistung der Mopeds oder Mokicks wie sie später genannt wurden durch verschiedene Reformen von Anfangs um 1 PS bis auf 6,25 PS am Schluss.

Eines der ersten Mopeds, das mit motorradtypischem Knieschluss gefahren werden konnte, war 1955 die Mars Monza. Eine Sitzbank für die Beförderung von zwei Personen gab es erstmals 1957 bei Victoria an der Vicky L, Kreidler mit der Florett (1958) und Dürkopps Dianette (1959) zogen nach.

Die Cyclorette

Eines der Exponate ist die Cyclorette, die tatsächlich noch stark an ein Fahrrad erinnert. 

Die Banane

Der Hersteller Hummel hat dieses Moped produziert, das als Banane bezeichnet wird. 

Die 1954 präsentierte und ab 1955 in Serie produzierte  Jawa 550 war mit Fußrasten und Kickstarter ausgestattet. Diese aus Mopeds abgeleiteten Fahrzeuge wurden später als Mokicks bezeichnet. In Deutschland verbreiteten sich Mokicks erst Anfang der 1960er-Jahre, als die Entwicklung der Kleinkrafträder in zwei Richtungen ging. Einmal das klassische Moped mit Tretkurbel und zum anderen das Mokick. 1965 wurde aus dem auch zweisitzigen Moped das einsitzige und fahrerlaubnisfreie Mofa entwickelt. Anfang der 1980er-Jahre, auch durch die Führerscheinreform, wurde das Moped vom Kleinkraftrad (Mokick) nahezu völlig vom Markt verdrängt.

Die deutschen Moped- oder Mokick-Hersteller stellten die Produktion recht früh mangels Nachfrage wieder ein.  Kreidler baute bis 1981 und Zündapp bis 1984 solche Fahrzeuge. Am längsten produzierte Hercules. Dort stellte man aber 2002 die Produktion endgültig ein. (Text und Bildmaterial: MTM)

Termine: Eröffnung der Ausstellung, Samstag 3. September, 11 Uhr. Das Museum ist an Sonn- und Feiertagen von 11-17 Uhr, sowie Dienstags von 18-20 Uhr geöffnet. Gruppen können Sondertermine vereinbaren. Mobil 01515 8886060

Anschrift: Motorrad- und Technikmuseum, Kleine Wust 11, 67280 Quirnheim.